Einfuhr aus D nach CH und Anmeldung

Warum und wie haben wir den Westfalia Jules Verne von Deutschland in die Schweiz gebracht?

Eine kurze Zusammenfassung der notwendigen Schritte. Wer es genauer wissen will, kann uns gern anschreiben. Man findet aber auch viele Informationen im Netz.

Die Modellauswahl

Wir haben ja hier schon beschrieben, warum wir auf genau dieses Campermodell gekommen sind. Zusammenfassend ging es um die bestmögliche Kombination aus Alltagstauglichkeit einschliesslich Parkhaus-Nutzung (Höhe unter 2 m!) und dem am besten nutzbaren Innenraum inklusive WC. Hier ist für uns beim Westfalia Jules Verne das Optimum erreicht.

Der Markt und die Kaufentscheidung

Es gibt hunderte von gebrauchten VW California im Netz. Es gibt auch viele gebrauchte Mercedes Marco Polo im Netz. Neu kann man beide bei VW bzw. Mercedes kaufen. Aber es gab nur genau einen gebrauchten Jules Verne in der Schweiz. Wir konnten ihn sogar anschauen und eine Probefahrt machen, aber der Kauf kam dann aus etwas seltsamen Gründen nicht zustande. In der Schweiz gibt es nach unserem Wissen genau einen Händler, der dieses Modell anbietet. Allerdings sind die Lieferzeiten bei deutlich über einem Jahr. Also schauen wir mal über den Tellerrand…

…und wir wurden fündig, bei Wohnmobile Eder in Bad Urach. Im übrigen sehr netter professioneller und hilfreicher Händler, der die Ausfuhr kompetent und hilfreich vorbereitete. WoMo Eder hatte genau einen Jules Verne in beinahe der Wunschkonfiguration als Ausstellungsfahrzeug auf dem Hof. Wichtig war uns vor Allem die 7-Gang-Automatik, die sogar entgegen früherer Erfahrungen deutlich beim Sprit sparen hilft und sich als ausgesprochen angenehme Lösung erwiesen hat. Der Preis war auch OK – also war die Kaufentscheidung schnell gefallen.

Kauf und Papierkram in Deutschland

Wir haben das Fahrzeug per Überweisung bezahlt, noch eine Markise anbauen lassen und es dann selbst in Bad Urach abgeholt. WoMo Eder hat die Ausfuhr vorbereitet. Dazu gehören:

  • CoC (Certificate of Conformance; Nachweis, dass das Fahrzeug den EU Bestimmungen entspricht. Dieses CoC muss auch später nach der Inbetriebsetzung in der Schweiz immer im Fahrzeug mitgeführt werden). In diesem Fall sind es sogar zwei CoC: eins von Mercedes für das Basisfahrzeug und eins von Rapido, der französischem Mittergesellschaft von Westfalia, für den fertig ausgebauten Camper.
  • Ausfuhrkennzeichen mit 30 Tagen Gültigkeit.
  • Haftpflichversicherung mit ebenfalls 30 Tagen Gültigkeit.

Vorbereitungen vor der Überführung

Zu den Vorbereitungen gehört zunächst einmal, dass man sich über alle notwenigen Schritte – auch die, die erst nach der Einfuhr fällig werden – informiert und soweit wie möglich auch anstösst. Besonders wichtig ist aber das Ausfüllen einer elektronischen Einfuhrerklärung e-dec, die dann, sobald sie vollständig ausgefüllt ist, ausgedruckt (!) und mitgebracht werden muss. Dieses elektronische Formular erwies sich als grösste Hürde. Wem die Steuererklärung mit TaxMe schon auf die Nerven fällt, ist mit e-dec definitiv überfordert. Ich habe sicher 6 Stunden gebraucht, wenn nicht länger. Es schadet nicht, wenn man ein Fachmann im Zollwesen ist. Das e-dec ist nicht etwa ein spezielles Formular für die Einfuhr von Autos, sondern ein generisches, das auch für Urananreicherungsanlagen (hallo BDN und NSA, willkommen in unserem Blog), Schweinehälften und B.b.b.bündnerfleich zur Anwendung kommt. Nicht umsonst bekommt man überall den Rat, diesen Schritt oder gar die gesamte Einfuhr von einer Spedition erledigen zu lassen. Wir haben das aber selbst gemacht.

Ansonsten sollte man die Versicherung der Wahl informieren, dass man ein neues Fahrzeug in Verkehr setzen will, damit die Versicherung eine entsprechende Versicherungsbestätigung an das Strassenverkehrsamt schickt.

Last not least braucht man eine Autobahnvignette für das neue Fahrzeug, es sei denn, man reist auf der Landstrasse ein und will auch später im Jahr nie die Autobahn benutzen – sehr unwahrscheinlich.

Ach ja, und dann braucht man noch Bargeld, das man sich besser frühzeitig von der Bank besorgt. Manchmal müssen solche Summen ein paar Tage vorher bestellt werden. Es kann auch sein, dass die Rückzugslimite des Kontos überschritten sind – ind em Fall wird eine kleine Strafe fällig. Das Geld in Bar braucht man für den Zoll:

Am Zoll

Hier hat man zwei Möglichkeiten: entweder, man wickelt die Einfuhr gleich an der Grenze ab (auf Öffnungszeiten achten!), oder man holt sich, und das geht auch ausserhalb der Öffnungszeiten des Zoll, einen Vormerkschein, der im Prinzip aktenkundig macht, dass man ein Produkt eingeführt hat, aber noch nicht verzollt. Im letzteren Fall hat man 2 Tage Zeit, die Zollformalitäten zu erledigen, kann das dann aber auch bei einer Zollstelle im Inland machen. In userem Fall hätte sich Bern angeboten. Wir waren aber rechtzeitig da und haben den Papierkram gleich vor Ort erledigt.

Man kann sich in die ganz normale Schlange mit den anderen P(K)W einordnen und meldet dann, dass man das Fahrzeug einführen möchte. Dann geht man zunächst zum Deutschen Zoll, um das Fahrzeug ordnungsgemäss auszuführen. Dauert geschätzte 2 Minuten plus Wartezeit in der Schlange. Der deutsche Zoll meldet die Ausfuhr dann elektronisch (wow, willkommen im 21. Jahrhundert) den deutschen Finanzbehörden, und die melden es dem Händler. Der erstattet dann die deutsche MwSt., mit 19% immerhin ein dicker Brocken, zurück auf das gewünschte Konto. In unserem Fall war ohne Zutun das Geld nach 2 Tagen zurück bei uns.

Mit dem Ausfuhrschein, den CoC, den anderen Fahrzeug- und Ausfuhrpapieren und dem ausgedruckten e-dec (siehe oben) geht es dann zum Schweizer Zoll. Die Zollbeamtin am Schalter hat sehr nett und kompetent die Fehlerchen, die ich in meinem e-dec hatte, korrigiert, ein paar Dinge abgestempelt und in den Computer eingegeben, und hat uns dann zur Kasse begleitet, wo wir in Cash die anfallenden Steuern und Gebühren einzahlen durften. Danach wieder zu ihr, einen letzten Stempel auf einem Papier abholen, nochmal zum deutschen Zoll und melden, dass nun alles OK ist, das wars.

Bei der Einfuhr von Autos werden theoretisch drei Arten von Zahlungen fällig:

  • Autoimportzoll. Gewichtsabhängig und ein paar Hundert Franken. Entfällt aber, wenn das Fahrzeug aus der EU eingeführt wird.
  • Automobilsteuer, nicht zu verwechseln mit den Zollabgaben. Die Automobilsteuer beträgt 4% auf den Nettopreis.
  • Schweizer Mwst. Sie beträgt 7.7% auf die Summe aus Nettopreis plus Automobilsteuer. Also Nettopreis * 1.04 * 1.077.

Bei der Einfuhr wird auch ein Formular 13.20A angelegt, das quasi eine Laufkarte für das Fahrzeug bis zur endgültigen Anmeldung/Einlösung darstellt. Für dieses Formular wird eine Gebühr von 20 Franken fällig.

CO2-Strafe

Seit einigen Jahren müssen Neufahrzeuge einen Ausstoss von derzeit 130 g CO2 pro km unterschreiten, oder sie werden mit einer einmaligen Strafabgabe belastet. Die 130 g gelten allerdings nur für sehr leichte Fahrzeuge. Je schwerer ein Fahrzeug ist, desto grösser ist der max. erlaubte Ausstoss. Wenn das nicht so wäre, könnte ein Bentley Bentayga oder Porsche Cayenne Fahrer ja tatsächlich eine höhere Strafe zahlen als ein kleiner Dacia, und das will ja keiner. Die CO2 Abgabe wird vom Bund und nicht vom Kanton erhoben. Deswegen wird das Formular 13.20A und die CoC zunächst ans ASTRA (Bundesamt für Strassenverkehr) geschickt, die dann prüfen, eine Summe festlegen und einen Einzahlungsschein zusammen mit den anderen Papieren zurücksenden. Die fällige Summe ist dann zu begleichen, um den nächsten Schritt angehen zu dürfen. In unserem Fall hätten wir „dank“ des Leergewichts von 2485 kg einen Ausstoss von 171 g/km unterschreiten müssen, lagen aber mit 177 g/km ein kleines bisschen höher und hätten ca. 235 Franken zahlen müssen. Aber Wohnmobile sind von der CO2-Strafe ausgenommen! Vielen Dank! (Auch wenn das ungefähr so logisch und vernünftig ist wie das Beispiel mit den dicken Bentley und Porsche…).

Prüfung

Der nächste Schritt ist die Vorführung zur Fahrzeugprüfung, für die man sich zunächst im Prüfzentrum des Kanons einen Termin besorgen muss. Wir hatten Glück: unser Termin lag schon eine Woche vor Ablauf des Importkennzeichens und der Haftpflichversicherung.

Beim Prüftermin hatte der Prüfer nichts zu beanstanden ausser…

Die Sache mit dem Schild

… das Typenschild… Jedes Fahrzeug hat fest mit der Karosserie verbunden ein Schild, auf dem unter anderem die Fahrzeug-ID (z.B. Fahrgestellnummer) und ein paar andere Angaben stehen. In unserem Fall klebte an der B-Säule fahrerseitig ein entsprechender Aufkleber von Mercedes. Bloss… seit dem Umbau zu einem Camper ist der Mercedes kein Mercedes mehr, sondern ein Westfalia. Oder Rapido, der Muttergesellschaft von Westfalia. Und dieses Typenschild, dass normalerweise immer im Fahrzeug montiert wird, lag noch in Frankreich bei Rapido auf irgendeinem Tisch. D.h. uns wurde ein Mängelbericht ausgestellt und die Prüfung für vorerst gescheitert deklariert. Erst nach Vorführung des Typenschilds ginge es weiter.

Einlösung

WoMo Eder hat dann mit Westfalia telefoniert, und die haben versprochen, am gleichen Tag per Express das Schildli zu schicken. Und nach zweimaligem Reklamieren und 4 Tagen Nichts tun kam das Schild dann knapp eine Woche später tatsächlich per Express. Ich bin damit am gleichen Tag in Prüfzentrum, hatte nach 30 Minuten die Freigabe und alle notwendigen Papiere, bin damit zum Strassenverkehrsamt und hatte 15 Minuten später einen Fahrzeugausweis in der Hand.

Ich muss an dieser Stelle das Strassenverkehrsamt in Bern nochmal ausdrücklich loben. Ich hatte schon sehr oft mit ihnen zu tun. Die Arbeitsweise, Freundlichkeit und das Tempo dort ist wirklich ganz erstaunlich und sehr lobenswert.

Jetzt hat das Elmobil endlich das korrekte Kontrollschild! Zwei Tage vor Ablauf des deutschen Schilds und der Haftpflicht, und gut eine Woche vor Beginn unserer Ferien. Puh!

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